MZ-Beitrag über das Waffenepitaph des Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels, St. Ulrici, Sangerhausen

Der Herzog ist angefressen – Barockes Bild in der Ulrichkirche soll restauriert werden

von Joel Stubert, 08.04.2018 um 18:00 Uhr

Sangerhausen – Zwei Scheinwerfer leuchten das sonst dämmerige Kirchenschiff der Ulrichkirche aus. Daneben sitzt Franziska Schott. Die 31-Jährige ist Diplom-Restauratorin und nimmt das Bild von Herzog Christian ganz genau unter die Lupe. „Fest steht, dass das Bild aus der Barockzeit stammt“, sagt sie.

Der Geschichtsverein Sangerhausen hat sie engagiert, um eine mögliche Restauration des beschädigten Bildes vorzukalkulieren. Helmut Loth, Vorsitzender des Geschichtsvereins Sangerhausen, begleitet den Prozess. „Das stark geschädigte Bild von Herzog Christian in der Ulrichkirche ist heute das einzige in dieser Art vorhandene Bildnis“, sagt er.

Wann Bild von Herzog Christian in die Ulrichkirche kam, ist unklar

„Über seine Herkunft ist bisher nichts bekannt. Es ist möglich, dass es nach 1736, spätestens aber nach Abbruch der Schlosskapelle im Jahr 1831 in die Ulrichkirche kam.“

Im Rahmen der Voruntersuchung, die die Restauratorin durchführt, muss geschaut werden, wie das Schadensbild aussieht und was genau gemacht werden muss, um es wieder in altem Glanze strahlen zu lassen. „Das Bild ist leider vom Nagekäfer arg befallen“, sagt Schott. Es werde fast nur noch von der Fassung zusammengehalten.

Neben der Analyse und Erfassung bereitet Schott die Ausschreibung vor, hat viel Schriftkram zu erledigen. „Das ist fast sogar der größere Anteil“, sagt sie. „Zudem wird für die Fachbehörden alles auch digital dokumentiert.“

Proben der einzelnen Farb-Schichten gehen ins Labor

Die Hallenserin muss einen Blick für die Details haben. „Man gräbt sich Schicht für Schicht nach unten durch“, sagt sie. „Bis man hoffentlich beim Original ankommt.“ Von den einzelnen Schichten nimmt sie Proben, die in ein Labor geschickt werden. „Davon sollen später Farbe und Material erzeugt werden, die bei der Restaurierung genutzt werden können“, sagt sie. „Man arbeitet auch viel mit dem Skalpell“, sagt sie.

Das Bild hat ein gewisse Leidenszeit hinter sich. „Wir nehmen an, dass Wilhelm Schmied im Jahr 1949 am Gemälde Hand angelegt hat“, sagt Loth. Dabei sei andere Farbe als beim Original aufgetragen worden. Für die Risse sei er allerdings nicht zuständig. „Die stammen aus den 70er Jahren. Damals sind Jugendliche in die Kirche eingebrochen und haben das Gemälde mit Steinen beschädigt“, erzählt Loth.

Christian war der vierte Herzog von Sachsen-Weißenfels

Prinz Christian wurde am 23. Februar 1682 in Weißenfels geboren und übernahm nach kurzer Zeit am 23. Februar 1712 nach dem unverhofften Tod seines Bruders Herzog Johann Georg als vierter Herzog von Sachsen-Weißenfels die Regierung. Christian setzte trotz der großen Verschuldung seines Herzogtums aufwendige Bautätigkeiten fort, so auch für die Kirche in Sangerhausen (Kapelle im Neuen Schloss, 1713 eröffnet).

Um die finanziellen Mittel für die Restaurierung des Bildes zusammentragen zu können, ruft der Geschichtsverein zu Spenden auf. Auch aus dem Erlös eines historischen Sangerhäuser Kalenders gehen Teile an den Geschichtsverein und damit in die Restauration des Bildes von Herzog Christian.

Spendenkonto bei der Sparkasse Mansfeld-Südharz:
IBAN: DE59 8005 50080340192003,
BIC: NOLADE21EIL 

(mz)

– Quelle: https://www.mz-web.de/29984032 ©2018

Panorama-Gemälde in Bad Frankenhausen: MDR-Beitrag

Bad Frankenhausen: Große Putzaktion am Bauernkriegspanorama

von Katharina Melzer

 

Wer zu Hause richtig ordentlich putzt, braucht, wenn es hoch kommt, mal ein paar Stunden. Mit Fensterputzen vielleicht einen Tag. Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zu der Reinigungsaktion, die gerade im Panoramamuseum in Bad Frankenhausen läuft. Das 14 Meter hohe und 123 Meter breite Bauernkriegspanorama wird momentan von Staub und Schmutz befreit. Insgesamt 1.722 Quadratmeter werden Stück für Stück innerhalb von zwei Monaten gereinigt. Und das macht richtig Arbeit.

Vor einem großen Wandgemälde, das teilweise beleuchtet ist, steht ein Gerüst.
14 Meter hoch ist das Gerüst, auf dem die Experten bei der Reinigung des Tübke-Gemäldes stehen.Bildrechte: MDR/Katharina Melzer

Drei Restauratoren arbeiten in luftiger Höhe auf einem bis zu 14 Meter hohen Gerüst mit kleinen, speziell für die Wandmalerei entwickelten Schwämmen und Ziegenhaarbürsten. Die Schwämme lassen sie in schwungvollen Bewegungen über die bunten Figuren und Formen gleiten. Kleine gelbe Krümel rieseln hinab in den Bildsaal. So werden spezielle Lösungsmittel in das Bild gearbeitet, die bis in die Tiefe der Leinwand reichen. Staub und Krümel werden anschließend mit einem handelsüblichen Industriestaubsauger weggesaugt. „Es handelt sich also um eine Trockenreinigung – da ist eigentlich kein großes Geheimnis dabei“, sagt Restaurator Roland Engel, der seit den 90er-Jahren in dem Reinigungsteam dabei ist. „Wasser nehmen wir nicht, denn das würde Probleme geben. Das bekommen wir nicht richtig trocken.“ Für seine Arbeit muss er viel Geduld mitbringen, sagt er. „Aber das ist ja mein Beruf, wenn man sich an der Malerei erfreuen kann, klappt das schon.“

Eine Hand drückt einen Schwamm gegen ein Ölgemälde.
Vorsichtig wird die Leinwand mit Schwämmen bearbeitet.Bildrechte: MDR/Katharina Melzer

Wegen des hohen Aufwandes wird das Gemälde nur alle fünf bis sechs Jahre gereinigt. Die Arbeiten dauern insgesamt zwei Monate. Bis jetzt sind etwa drei Viertel des Wandbildes gesäubert. „Alleine die Vorbereitungszeit dauert schon sehr lange“, erklärt Museumsmanagerin Silke Krage. „Das riesige Gerüst muss aufgebaut werden und dann müssen die Restauratoren wirklich jeden Quadratzentimeter erwischen. Das erfordert viel Geduld und Konzentration. Deshalb haben wir auch so ein eingespieltes Team. Das macht nicht jedes Mal jemand anderes.“ Dennoch werden auch neue Restauratoren eingearbeitet. Die 31-jährige Franziska Schott soll Roland Engel beim nächsten Mal ersetzen, da dieser bereits am Rentenalter kratzt. „Ich freue mich auf die Arbeit, es ist unglaublich spannend, in diesen Dimensionen zu arbeiten. Die große Fläche ist irre“, freut sich Schott.

An einem Blech kleben kleine, gelbe Kügelchen.
Kleine gelbe Krümel aus Staub und LösungsmittelBildrechte: MDR/Katharina Melzer

Neben der Reinigung hat die Aktion noch einen anderen Zweck: eine Langzeitstudie. Da auf die Leinwand mehr als eine Tonne Farbe aufgetragen wurde, ist es nach all den Jahren immer noch nicht zu 100 Prozent trocken. Dieser Prozess wird in der Studie begleitet. Deshalb sind die Restauratoren auch mindestens einmal im Jahr an dem Gemälde und überprüfen den Zustand, bis sie wieder reinigen.

Während der gesamten Putzaktion ist das Museum nicht geschlossen, sodass die Besucher die besonderen Arbeiten mitverfolgen können. Das Gerüst verdeckt immer nur einen Teil des Gemäldes, sodass die Arbeiten eher Zusatz als Störfaktor sind. Im Moment kommen die Restauratoren gut voran. Für die restlichen Arbeiten sind noch gut zwei Wochen veranschlagt.

 

https://www.mdr.de/thueringen/nord-thueringen/kyffhaeuser/bad-frankenhausen-bauernkriegspanorama-wird-gereinigt-100.html

Veranstaltungshinweis: 17.03.2016 VDR-Vortragsreihe in der Moritzburg Halle

Am kommenden Donnerstag, dem  17. März 2016 lädt die Moritzburg in Kooperation mit dem Verband der Restauratoren (VDR) erneut alle Interessierten und Kollegen zu einem Vortrag aus der Reihe „Restaurierung und Forschung“  in die Moritzburg Halle ein.

Thema des Vortrages:
„Das Epitaph des Amtshauptmanns Otto von Pogk von 1578 in der Kirche St. Nicolai zu Coswig (Anh.) aus der Werkstatt Lucas Cranachs d.J.“

Beginn ist um 18:00 Uhr im Talamt-Gebäude des Kunstmuseums Moritzburg Halle.

Die Referenten sind die Dipl. Restauratoren Albrecht Körber, Andrea Himpel und Linda Haselbach.

Veranstaltunghinweis für den 24.09.2015: VDR-Vortragsreihe in der Moritzbug Halle

Seit diesem Jahr findet in der Moritzburg Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt in Halle (Saale) eine Vortragsreihe zu Themen der Restaurierung und Forschung in Zusamenarbeit mit dem Verband der Restauratoren (VDR) statt.

Am Do, 24.09.2015 lädt die Moritzburg ab 18:00 Uhr zu einem ca. 45-minütigem Vortrag mit PowerPoint-Präsentation mit anschließender Diskussion zum Thema „Es wird sich alles historisch entwickeln. Karl Völkers Passionszyklus in der Dorfkirche von Schmirma: Rettung eines Bilderschatzes der Moderne“ in das Barockzimmer des Talamts ein.

Referenten des Abends sind die Dresdener Dipl.-Restauratorinnen Uta Matauschek und Sybille Kreft, welche Einblicke in die konservatorische Problematik an den Gemälden und der Kassettendecke und die restauratorische Bearbeitung vermitteln.

Die Veranstaltung ist kostenfrei und steht allen Interessierten offen.

MZ-Artikel zur Restaurierung vom 16.10.2014:
http://www.mz-web.de/kultur/voelkers-deckenbilder-wurden-restauriert,20642198,28748988.html

Tag des Offenen Denkmals 2015 – Eröffnung in Halle

Am kommenden Sonntag, dem 13. September 2015 findet der alljährliche Denkmaltag statt.

Seit 1993 öffnen jedes Jahr am jeweils zweiten Sonntag im September historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, ihre Türen der breiten Öffentlichkeit.
Dieses Jahr stehen im gesamten Bundesgebiet mehr als 7.700 private und öffentliche Denkmäler zur Besichtigung offen.
Eine Chance für jede/n „Geschichte zum Anfassen“ zu erleben. Es gibt fachlich versierte Führungen durch (Kunst-)Historiker, Archäologen, Restauratoren, Architekten und Handwerker, die gerne Aufgaben und Techniken der Denkmalpflege dem interessierten Publikum näher erläutern.

Das Ziel der Tage des offenen Denkmals besteht darin, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken.
Die bundesweiten Denkmaltage sind der nationale Beitrag zu den europaweiten European Heritage Days.

Dieses Jahr findet die offizielle Eröffnungsveranstaltung des Denkmaltages in Halle (Saale) auf dem zentralen Campus (Universitätsplatz) der Martin-Luther-Universität (MLU) ab 11:00 Uhr statt.

Das Thema des diesjährigen Denkmaltages lautet „Handwerk, Technik, Industrie“, welches gut zur Stadt Halle und der Region passt.
Mehr als 60 Denkmäler werden in Halle zu besichtigen sein, abgerundet durch eine Rahmenprogramm bestehend aus Vortägen und Führungen zum Motto. Veranschaulichung von Handwerkstechniken werden im „Goldenen Pflug“ (Alter Markt) sowie in der „Goldenen Rose“ (Franckestraße) oder auch im Werkstattgebäude „Am Sandberg 13“ erlebbar.
Ein historischer Shuttelbus steht den Besuchern zur Verfügung.

Viele interessante Informationen zum Programm, Hintergünde und nützliche Tools, wie einen Routenplaner finden Sie auf der offiziellen Homepage: http://www.tag-des-offenen-denkmals.de

 

Koordiniert wird der Tag des offenen Denkmals durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

MZ-Artikel – St. Stepahni-Kirche Aschersleben

mz-artikel aschersleben st. stephani
„Stephanikirche in Aschersleben – „Am Staub der Jahrhunderte“:
12.08.2015 18:01 Uhr – Das Gerüst mitten im Kirchenraum der Stephanikirche kündet davon: Die Restaurierung der reich mit Figuren geschmückten Kanzel aus dem Jahr 1656 hat begonnen. Drei Frauen arbeiten in mehreren Metern Höhe an dem barocken Kunstwerk: Katrin Brinz, Franziska Schott und Friederike Vogelmann aus Halle. Für die 47-jährige Katrin Brinz ist die Arbeit an der Kanzel nicht die erste in Aschersleben. Sie hatte 2012 bereits das Herwig-Epitaph restauriert und im vergangenen Jahr am Cranach-Marienaltar mitgearbeitet. Nun also die barocke Kanzel, die den Restauratorinnen sehr viel Arbeit beschert. „Es ist schon ein sehr großer Auftrag“, sagt die Hallenserin, und sie schätzt, dass sich die Arbeiten am Schalldeckel mit den 19 Figuren bis zum Oktober hinziehen werden.

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Projekt beendet: Wiedereröffnung der Ehem. Abteikirche Amorbach

Nach über zwei Jahren wurde am Samstag, dem 18.07.2015 die ehemalige Abteikirche in Amorbach feierlich wiedereröffnet.
Von Juni 2014 bis Juli 2015 war ich durch die Restaurierungswerkstätten Onnen (Hirschaid) in das Projekt involviert.
Zu meiner Hauptaufgaben gehörten die Reinigung, Konservierung (va. Fassungskonservierung) und Restaurierung (Kittung, Retusche, Vergoldung) der Rokoko-Kanzel von dem Würzburger Holzbildhauer Johann Wolfgang van der Auvera und der Haupt-, Seiten- und Nebenaltäre von den Wessobrunner Stuckateuren Johann Michael Feuchtmayer d.J. und Johann Georg Übelhör.

Das Konzept sah eine behutsame Konservierung des gealterten, seit der Erbauung beinahe unveränderten Zustandes vor, was von allen Gewerken mit großer Sorgfalt umgesetzt wurde – mit einem sehr schönen, stimmigen Ergebnis.
Eine Reise nach Amorbach mit Besuch der Kirche lohnt sich allemal.

 

Ein kurzer Beitrag zur Restaurierung ist in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks abrufbar:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/amorbach-abteikirche-renovierung-100.html

 

–  Fotos zur Restaurierung folgen  –